Ich denke unheimlich viel über mich selbst nach. Ich versuche ständig, meine eigenen Macken zu erkennen und mich im Alltag irgendwie anzupassen – was mal ganz gut klappt und mal eben gar nicht.
Eine Sache beobachte ich an mir selbst aber mittlerweile immer häufiger: Wenn mir etwas nicht passt oder es anders läuft als gedacht, werde ich ungerecht, gemein und vor allem bockig. Bockig wie eine Beleidigte Leberwurst oder eben wie ein kleines Kind.
Dieses „kindische“ Verhalten ist bei mir wirklich präsent. Es ist auch genau das Feedback, das ich in der Vergangenheit öfter von anderen zu hören bekommen habe.
Das eigentliche Problem dabei ist: Ich kann es in diesem Moment nicht steuern. Ich fühle mich wie blockiert, und vor meinem inneren Auge läuft eine Art Film ab. Ich weiß in genau dieser Sekunde, dass mein Verhalten gerade völlig unpassend und anstrengend für alle ist, aber ich kriege es einfach nicht abgestellt. Eine funktionierende Lösung habe ich dafür bisher leider noch nicht gefunden.
Woher kommt dieses Verhaltensmuster?
Ich frage mich wirklich oft, wo der Ursprung dafür liegt.
Ich bezweifle, dass es nur am ADHS liegt. Klar, die fehlende Impulskontrolle verstärkt das Ganze massiv. Aber ich vermute, der eigentliche Kern liegt tiefer – irgendwo in meiner Kindheit und Jugend.
Besonders extrem zeigt sich dieses Verhalten – sowohl in den Handlungen als auch in meiner Sprache – in Beziehungsfragen. Vor allem dann, wenn ich das Gefühl habe, auf Ablehnung oder Nichtbeachtung zu stoßen. Vermutlich habe ich früher einfach nie gelernt, wie man in solchen emotionalen Situationen ruhig und erwachsen reagiert.
(Wobei ich ehrlich zugeben muss: Vom Gefühl her fühle ich mich im Kopf ohnehin meistens wie Anfang 20 – was ja an sich nicht das Schlechteste ist! 😊)
Das Zusammenspiel im Kopf
Ich glaube mittlerweile, dass da bei mir verschiedene Dinge ineinandergreifen:
- Die ADHS-Impulsivität
- Möglicherweise autistische Züge (der Verdacht kam von Fachleuten ja schon öfter)
- Und eben alte Prägungen aus der Vergangenheit
Denn was man früher nicht gelernt hat, kann man später eben nicht einfach auf Knopfdruck abrufen.
Es liegt sicherlich noch viel Arbeit vor mir, aber gleichzeitig finde ich diesen Prozess der Selbstreflexion auch extrem wichtig. Ich bin gespannt, wie sich das alles weiterentwickelt und ob ich irgendwann einen Weg finde, der zu einem wirklich ruhigen und zufriedenstellenden Leben führt.
(Das Thema mit dem assistierten Ableben habe ich bei meinem Facharzt übrigens schon angesprochen – dazu mache ich aber noch einen eigenen Beitrag, weil das hier sonst den Rahmen sprengen würde).
Eine Belastung für das Zwischenmenschliche
Am Ende muss man ehrlich sein: Dieses Verhalten ist extrem belastend. Es beschädigt zwischenmenschliche Beziehungen immer wieder aufs Neue, weil man Menschen, die einem wichtig sind, vor den Kopf stößt – obwohl man es tief im Inneren gar nicht möchte.
Wie geht es euch damit? Kennt ihr solche Momente, in denen ihr emotional in kindliche Verhaltensmuster zurückfallt? Wie geht ihr damit um und wie reagiert euer Umfeld darauf?