In diesem Beitrag möchte ich dich mitnehmen auf eine Reise durch meine Gedanken. Wenn du magst, bist du herzlich eingeladen, mir ein Stück des Weges zu folgen. Vielleicht bist du mit diesen Gedanken und Eindrücken ja nicht allein – fühl dich jedenfalls ganz leise willkommen.
Wir Menschen mit AuDHS sind wunderbare Wesen. Und ja, da schließe ich mich ganz bewusst mit ein – ein bisschen gesunder Egoismus darf schließlich auch mal sein.
Seit meinen Diagnosen habe ich begonnen, mich selbst zu reflektieren. Mal mehr, mal weniger von Erfolg gekrönt. Doch derzeit muss ich mir ehrlich eingestehen: Ich habe mich irgendwie selbst verloren. Die Frage „Wer oder was bin ich eigentlich?“ hat in letzter Zeit immer mehr an Gewicht gewonnen. Es fühlt sich an, als hätte man über Nacht im Schlaf die eigene Identität wie ein altes Kleidungsstück abgelegt – und egal, was man danach anzieht oder wie man sich dreht und windet: Man eckt überall an. Egal wie man sich verhält oder eben nicht verhält, es scheint keinen Unterschied zu machen.
Man könnte nun meinen, es liege vielleicht am Umfeld. Doch der Ort spielt keine Rolle – im Kern bleibt es immer dasselbe Verhaltensmuster.
Natürlich lässt mich das nicht los. Ich habe angefangen, tief in mir zu graben. Auch die Gespräche in der Ergotherapie haben geholfen, das Rädchen im Kopf wieder langsam ins Rollen zu bringen. Wenn ich zurückblicke, begann diese Reise wahrscheinlich schon mit meinem allerersten Atemzug. Die Kindheit, die Jugend und später all die Beziehungen, in denen man sich aneinander anpassen musste – auf beiden Seiten, versteht sich.
Doch durch all dieses dauerhafte Anpassen, die ständigen Unklarheiten und das fehlende ehrliche Feedback zu meinem Verhalten ist in meinem Kopf wohl so einiges durcheinandergeraten. Es hat tiefe Spuren hinterlassen – in mir selbst und in meinem Blick auf die Welt.
Momentan fängt sich der Sturm langsam wieder. Das Dickicht lichtet sich und man sieht endlich wieder einen Ausweg aus dem dichten Wald. Ob es schon der endgültige Waldrand ist oder nur eine kleine Lichtung auf dem Weg… ich bin gespannt.
Aber Selbstreflexion ist etwas Wundervolles. Sie hilft ungemein – zumindest mir.
Dennoch komme ich nicht ganz ohne Hilfe durch diese komplexe Welt. Aber das ist völlig in Ordnung; die Steine sind im Rollen und die nächsten Termine stehen bereits. Bei mir und meinem ADHS ist es einfach so: Ich brauche einen Menschen an meiner Seite. Jemanden, der sanft das Steuer übernimmt und mich lenkt, wenn ich wieder drohe, in den weiten Ozeanen meiner Gedanken abzudriften.
In diesem Sinne: Ahoi!
