Ich bin viel – ehrlich gesagt fast den ganzen Tag – im Internet unterwegs. Dementsprechend stöbere ich in allen möglichen Social-Media-Gruppen. In klassischen Foren bin ich aktuell zwar weniger aktiv, aber das möchte ich mir wieder angewöhnen, sobald ich endlich eine passende Wohnung gefunden habe und der Umzug über die Bühne ist. Das hat bei mir derzeit schlichtweg oberste Priorität.
In den sozialen Netzwerken fällt mir jedoch seit geraumer Zeit ein Trend auf, über den ich gerne sprechen möchte.
Vorab: Ich berufe mich hier auf keine wissenschaftlichen Studien, sondern schildere rein meine persönlichen Beobachtungen, Gefühle und Erfahrungen. Vielleicht bin ich in dem Punkt paranoid oder bilde mir das nur ein… Wobei das Wort „Einbildung“ mich – genau wie „faul“ oder „anstrengend“ – ohnehin schon mein ganzes Leben lang begleitet.
„Ich glaube, ich habe ADHS!“ – Die Schwemme im Netz
In diversen Gruppen liest man gefühlt täglich Beiträge wie:
- „Ich habe noch keine Diagnose, aber ich bin mir sicher, dass ich ADHS habe.“
- „Wo kann man sich möglichst schnell und unkompliziert diagnostizieren lassen?“
Versteht mich nicht falsch: Es ist absolut wichtig, dass Aufklärung stattfindet und Menschen Antworten auf ihre Probleme suchen.
Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass heute extrem schnell Schlüsse gezogen werden: Nur weil man mal unruhig ist, Termine vergisst oder den Schlüssel verlegt, hat man nicht automatisch ADHS oder Autismus. Es gibt unzählige andere Gründe für solche Symptome.
Der Drang nach der schnellen Diagnose
Was mich wirklich nachdenklich stimmt, ist dieser oft extreme Wunsch nach einer sofortigen Diagnose. Da spielt Geld plötzlich keine Rolle mehr – Selbstzahler-Angebote werden gestürmt, und Menschen fahren hunderte Kilometer weit durch die Republik, nur um möglichst rasch einen Zettel mit der Diagnose in den Händen zu halten.
Dass die Fachärzte und Spezialambulanzen, die diese Diagnostik durchführen können, völlig überlaufen sind, ist die logische Konsequenz. Die eigentliche Tragik daran: Menschen, die wirklich massiv unter ADHS leiden und dringend Hilfe brauchen, bekommen kaum noch Termine für eine Erstdiagnose.
(Wenn man die Diagnose erst einmal hat, läuft die medikamentöse und therapeutische Behandlung zum Glück meist recht geschmeidig an – so ist zumindest meine aktuelle Erfahrung).
Enttäuschung, wenn der Befund „negativ“ ausfällt?
Besonders absurd wird es bei den Beiträgen und Kommentaren von Personen, bei denen nach der Diagnostik kein ADHS festgestellt wurde. An der Wortwahl und Ausdrucksweise merkt man extrem oft eine tief sitzende Enttäuschung.
Man wünscht sich fast schon eine psychische Störung herbei, um eine Erklärung oder ein Label für das eigene Leben zu haben. Und genau hier liegt das Problem:
Durch diesen Hype entsteht in der Öffentlichkeit das Bild einer „Modediagnose“ oder einer neuen Volkserkrankung – vergleichbar mit Rückenschmerzen oder Bluthochdruck.
Doch genau das darf ADHS niemals werden. Es ist eine ernsthafte, neurobiologische Störung, die das gesamte Leben der Betroffenen auf den Kopf stellen kann, und keine Lifestyle-Erscheinung.
Wie seht ihr das?
Habt ihr auch das Gefühl, dass ADHS in den Medien und Netzwerken aktuell zu einer Art Trend verkommt? Oder findet ihr es gut, dass das Thema dadurch endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient?
Ich freue mich wie immer auf euren ehrlichen Input in den Kommentaren!
Euer Dennis